Programmmix ist zwar gewagt, aber er gelingt


Oedheim – Bläserphilharmonie Heilbronn überzeugt mit klassischen Stücken und Liedern von Brecht

Mit der Verpflichtung der Bläserphilharmonie Heilbronn hat sich der Musikverein Oedheim ein frühes Weihnachtsgeschenk gemacht. Beim Konzert in der Kochana sind denn auch viele aus seinen Reihen gekommen, um voller Bewunderung den erstklassigen Kollegen auf der Bühne zu lauschen.
"Die sind das Beste, was es hier weit und breit auf dem Sektor gibt", sagt Hariolf Laib, Gründungsmitglied und Spiele bei den Oedheimern. Der 30-jährige Marc Lange, Musikpädagoge mit Dirigentenausbildung in Heidelberg und Basel, leitet das 2003 gegründete Ensemble, welches sich aus ehemaligen Schülern der Musikschule Heilbronn Musikstudenten und besonders ambitionierten Musikern der Vereine rekrutiert.
In bisher sechs Konzertprojekten hat man sich der anspruchsvollen sinfonischen Bläsermusik gewidmet. Das Ensemble legt großen Wert auf Originalmusik, Transkriptionen müssen schon ganz besonders gut gemacht sein, dass Marc lange an sie rangeht.
Das Konzert in Oedheim, welches am darauffolgenden Tag im Heilbronner Schießhaus eine Wiederholung erfährt, beginnt mit Mozarts Serenade, einem Bläseroktett mit dem Beinamen "Nacht Musique". In dem viersätzigen Werk, von der eher düsteren Grundstimmung her zur Jahreszeit passend, weben die acht Musiker ein transparentes Klanggebilde von berückender Innerlichkeit. Mitunter erheben sich Oboe und Klarinette in zauberhaften Kantilenen, ergehen sich die Instrumente im Doppelkanon, bis der Schlusssatz sie in vollständiger Ausgewogenheit der Stimmen bei einem hoffnungsfrohen C-Dur eint.
Marc Lange steht wie ein Dompteur vor seinen Musikern, ist der große Inspirator, dem man ansieht, dass er die Musik mit jeder Phase seines Körpers lebt.
Einen gewagten Kontrast bildet der zweite Teil des Konzerts. Im knallroten Cocktailkleid und kesser Stachelfrisur wirbelt Tina Häussermann auf die Bühne. Die gefragte Musikkabarettistin singt Lieder von Hanns Eisler und Bracht und anderen. "Die Texte sind, wenn man bedenkt, sehr aktuell", sagt sie. In der Ballade vom Neger Jim geht es um Ausgrenzung, im "Stempellied" um Arbeitslosigkeit – geschrieben Ende der 1930er-Jahre. Ohne dick aufzutragen, bringt sie die Songs mit der nötigen Schärfe und hoher Musikalität rüber.
Bei den Liedern kommen entsprechend der Originalkomposition von Eisler und Weill einige zusätzliche Instrumente wie Banjo oder Bandoneon zum Einsatz. Zusammen mit den Bläsern bilden sie der Vokalmusik entsprechende sensible Ensemblegruppen. Von der hochklassigen Musik wollte das Publikum mehr und war etwas enttäuscht, dass die Bläserphilharmonie keine Zugabe parat hatte.


Autor: Waltraud Langer (HSt); Veröffentlicht am: 17.11.2006; Link: http://www.stimme.de

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