Große Gefühle: Bläserensemble überzeugt


Heilbronn - Wie bringt man unsichtbare Städte und goldene Hähne zum Klingen? Nikolai Rimski-Korsakow hat dafür Maßstäbe gesetzt. Festlich beginnt die Bläserphilharmonie Heilbronn ihr jüngstes Konzert in der Harmonie mit dem "Einzug der Adligen" aus dem zweiten Akt der Oper "Mlada". Verklärte russische Sagenwelt blüht in satten Klangfarben auf. Seit fünf Jahren bereichert das engagierte Projektorchester mittlerweile die musikalische Bandbreite der Stadt. Ausdrücklich dankt Dirigent Marc Lange vor Konzertbeginn dem früheren Musikschuldirektor Hans-Karl Faber, der als wesentlicher Initiator für die Bläserphilharmonie gilt.

Die breite Ausdruckspalette sinfonischer Bläsermusik pflegt auch Luigi Zaninelli, dessen Klanggemälde "Roma Sacra" in die Heimat seiner Vorfahren führt. Röhrenglocken und Harfe stimmen auf die sakrale Atmosphäre ein, Hörner und Posaunen intonieren modale Motive

Virtuose Technik Fremdenführer Marc Lange leitet seine Gruppe vorbei an Säulen und Plätzen, durch finstere Katakomben hinauf zu hohen Domen. Im Flötenkonzert Nr.2 von Frigyes Hidas verkleinert sich das Orchester zur apart intonierenden Kammerbesetzung, die der Solistin Juliane Constanze Wahl (Querflöte) genügend Raum zur Entfaltung gibt. Noch ist der erste Satz Lento stark impressionistisch gefärbt. Geschmackvoll phrasiert stehen luftige Motive im Raum. Doch Temperament und Agogik steigern sich. Schließlich behauptet sich Juliane Constanze Wahl mit virtuoser Technik im dritten Satz.

Mit dem Hauptwerk des Abends beweist die Bläserphilharmonie Höchstform: Musikantisch inspiriert und im Detail konzentriert spielt sie die Sinfonie Nr.3 "Die Tragische" von James Barnes.

Spöttische Fagotte Der Komponist verarbeitet darin den Tod seiner Tochter, entsprechend traurig wirkt der erste Satz mit dumpfen Paukenschlägen und intensiver Soloklage der Tuba. Die Schlagzeuger imitieren eine Standuhr auf der Kommode, ihr kitschiges Schlagen wird plötzlich zum Gegenmotiv, zum unerbittlichen Zeitraster, um das sich nun ein sinfonisch-forderndes Ringen der Lebenskräfte bildet. Das Scherzo gerät zum grotesken Marsch mit spöttischen Fagotten und überspitzten Floskeln.

Ganz großes Gefühlskino entfaltet Marc Lange in der Fantasie "für Nathalie", die sich vom Wiegenlied zur grandiosen Apotheose steigert. Gänzlich vorwärtsgewandt ist das Finale, die Verarbeitung des Liedes "Weil ich Jesu Schäflein bin" wird von fetzigen Fanfarenmotiven und filmmusikalischer Triumphrhetorik à la John Williams eingeholt. Bravo!


Autor: Lothar Heinle (HSt); Veröffentlicht am: 30.04.2008; Link: http://www.stimme.de/freizeit/kultur-news/art11930,1233718

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