Lebendige Stille - zum Greifen nah


Uraufführung von Axel Ruoffs Hornkonzert in der Kochana Oedheim. Bravos für die Bläserphilharmonie

Brandender Beifall und Bravos für die Uraufführung des Hornkonzerts in der Kultur- und Festhalle Kochana. Gerahmt von vier britischen Komponisten ist das anspruchsvolle Werk aus der Feder des Stuttgarter Komponisten Axel Ruoff Höhepunkt des jüngsten Programms der Heilbronner Bläserphilharmonie. Eine Herausforderung und Meisterleistung der Ausführenden, allen voran Dirigent und musikalischer Leiter Marc Lange, sowie der mehrfach ausgezeichnete Nachwuchsmusiker und Hornist Felix Baur.

"Ein großer Wurf" wird Ruoff vom Fachpublikum beglückwünscht und der äußert sich "hoch zufrieden" über die Leistung des Orchesters, das mehrheitlich aus engagierten Amateuren und jungen Musikern besteht.

Die Programmfolge zeigt viele Facetten symphonischer Blasmusik. Klotzen, nicht kleckern ist Motto des markanten Auftakts, der "Toccata Marziale" des Briten Ralph Vaughan Williams (1872-1958); ein Höllenstück voll komplexer Rhythmik und Harmonik. Beschwingt und heiter geht es in der Suite "Four Scottish Dances" seines Landmanns Malcom Arnold (1921-2006) zu. Lautmalend spielt der mit Themen schottischer Folklore, die Posaune imitiert das Brummen des Dudelsacks, das Fagott skizziert einen torkelnden Trinker und das Allegretto reflektiert das Gefühl eines ruhigen Sommertages auf den Hebriden.

Arnolds Art zu komponieren schafft einen sehr schönen Übergang zur raffinierten Instrumentierung des dreisätzigen Hornkonzerts, in dem Ruoff das Solo-Horn in den Vordergrund rückt und auch mit nuanciert leisen Tönen zu Wort kommen lässt. Mal muss es sich gegen Blechblasgewalt behaupten, mal tritt es in Dialog oder bekommt den Vortritt, wobei der Komponist ideenreich Vorurteile des Genres konterkariert. Durch spannungsgeladene Pausen, wellenartig perlendes Harfenzirpen (Nicole Müller), einsames Wandeln auf der Celesta (Hans-Cornelius Weber), einen Gong und eine Klarinette (Florian Schellhaas), die sich in einen anderen Raum begibt, um uns aus jenseitiger Ferne umso eindringlicher zu erreichen, schafft Ruoff – besonders im 3. Satz "Notturno" – eine lebendige Stille, die zum Greifen nah scheint.

Der Abend klingt aus mit dem Nachtstück "Watchman, Tell Us of the Night" des Zeitgenossen Mark Camphouse (1954), der das Werk versteht als "Hymne für alle Kinder, die Opfer von Misshandlung wurden" und damit der Hoffnung auf Heilung der seelischen Wunden Ausdruck geben möchte. Zu guter Letzt darf getanzt und gelacht werden mit den fünf "Yiddish Dances" von Adam Gorb (1958), der lustvoll Klezmer-Motive mit Blasmusik eint.

Info: Das Konzert der Bläserphilharmonie wird am Sonntag, den 17. Mai um 19 Uhr in der Harmonie Heilbronn wiederholt.


Autor: Leonore Welzin (HSt); Veröffentlicht am: 13.05.2009; Link: http://leowelzin.wordpress.com/2009/05/11/lebendige-stille-zum-greifen-nah/

Impressum