Klangentfaltung in einfühlsamen Dialogen


Kammermusikensemble der Bläserphilharmonie und Solisten begeistern in der Kilianskirche

HEILBRONN Salieri hält nicht viel von Mozart. So stellt es Peter Shaffer im Theaterstück "Amadeus" dar. Doch der Dramatiker gönnt Salieri ein Erweckungserlebnis: Das himmlische Adagio aus der Serenade Nummer zehn B-Dur mit dem Beinamen "Gran Partita". Sicher hätte Salieri Freude am Kammermusikensemble der Bläserphilharmonie Heilbronn gehabt, die Mozarts Monument in der Stunde der Kirchenmusik zu glanzvollen Höhepunkten führt.
Eingangs erfreut das symphonische Divertissement (1890) des wenig bekannten Franzosen Emile Bernard. Geschmeidige Terrassendynamik verrät den komponierenden Organisten, rund aufblühende Klänge erfüllen die Kilianskirche.
Mit Vater und Sohn Baermann handelt Felix Mendelssohn 1832 einen besonderen Deal aus: Komposition gegen Kochen! Für Dampfnudeln und Rahmstrudel liefert Mendelssohn als Gegenleistung das reizvolle Konzertstück Nummer eins f-Moll für Klarinette und Bassetthorn.
Florian Schellhaas (Bassetthorn) hat das Stück für die Besetzung der Bläserphilharmonie arrangiert und ist einfühlsamer Duopartner für Marion Potyka (Klarinette), die mit temperamentvollen Akzenten das Geschehen häufig dominiert. Das abgedunkelte Timbre des verwandten Bassetthorns kommt trotzdem gut zur Geltung, aufgefangen wird das Ganze vom Ensemble.
Zwischen Serenade und Symphonie pendelt Mozarts reichhaltige "Gran Partita". Aber Dirigent Marc Lange widersteht dem Versuch, das Werk in seiner Detailfülle zu sezieren. Dafür setzt er auf Farbenspiel und Klangentfaltung. Breit schwingen die Anfangsakkorde aus, deutlich treten die chromatischen Schattierungen in der Durchführung hervor. Selbst flott gewählte Tempi wirken nie oberflächlich. Oboe und Klarinette beginnen im Adagio einen entrückten Dialog über sanftem Pulsieren der Fagotte. Endlos könnte man den fein phrasierten Variationen im vorletzten Satz "Romance" zuhören, bevor das Finale den furiosen Schlusspunkt setzt. Viel Beifall!


Autor: Lothar Heinle (HSt); Veröffentlicht am: 09.10.2012

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