Eine höchst vergnügliche Geburtstagsparty


Schwungvolles Festkonzert in der Harmonie mit clair-obscur: Zehn Jahre Bläserphilharmonie

Heilbronn Seit zehn Jahren finden sich Musiker unterschiedlicher Professionalität, Virtuosen wie junge Solisten in der Bläserphilharmonie Heilbronn zusammen, um unter der Leitung von Mitbegründer Marc Lange Originalwerke für Bläserorchester zu erarbeiten. Ein guter Grund also, ausgiebig zu feiern.

Nun strömen sie wieder auf die Bühne der von einem erfreulichen jugendlichen Publikum gut gefüllten Harmonie, die jungen und älteren Musiker. Schon beim schwungvollen Einstieg mit "Orient et Occident" von Camille Saint-Saens spürt man die Begeisterung.

Unter einem klaren Dirigat werden kontrastreich die Details dieses lyrischen Werks herausgearbeitet. Solche Qualitäten machen die Uraufführung von Jesús Santandreus "Tertium Quid" zum ersten Höhepunkt des Abends.

Dramatische Filmmusik
Ein Werk, das eine eigene Klangsprache vermissen lässt, sich aus vielfältigsten musikalischen Schubladen bedient, lebt davon, dass Solisten wie Ensemble all die Elegien und Fanfaren, die Klangflächen und Akzente, dramatische Filmmusik wie ironische Dialoge zum Klingen bringen. Die Bläserphilharmonie Heilbronn beschenkt sich selbst durch ihr nahezu professionelles Spiel.
Feine Schattierungen machen auch die fetzigen Choralvariationen von David Maslankas "Traveler" zu einem richtigen Spaß. Und nicht nur die Damen im Publikum sind begeistert, wenn schwülstiger Kitsch augenzwinkernd glitzert. Doch war das alles nur ein Vorspiel.
Erst mit Paul Harts mal witzig dialogisierenden, mal gravitätisch polyphonen "Cartoon"-Geschichten blühen die Philharmoniker richtig auf. Doch kein Vergleich zur Begeisterung, die schon im Zwischenapplaus die zweite Uraufführung "Jeu de cartes" von Bart Picqueur hervorruft.
Welch unterschiedliche Spielkarten hat der belgische Komponist den perfekten Partygästen des Saxofon-Quartetts Clair-obscur auf die Persönlichkeit geschrieben.
Die verliebten majestätischen Baritonsaxofon-Klänge für die "Queen of Hearts", - ebenso rüpelhaft wie technisch brillant der Pik Bube als "Jack of Spades", der scheinheilige Walzer der Karo-Dame, doch eher Strass als zehn echte Diamanten.
Und beim ideensprühenden Finale "Fool" des Sopran-Jokers schließlich ist die Bühne fast zu klein für das slapstickhafte Schauspielern, für die musikalische Brillianz der vier Saxofonisten, stets engagiert, alle Spielbälle aufgreifend und begleitet von einem höchst vergnügten Orchester unter seinem schier akrobatischen Dirigenten.

Hingerissen

Da gibt es keinen mehr im Saal wie auf der Bühne, der nicht
gerne hingerissen amüsiert und begeistert mitfeiert. Auf die nächsten zehn Jahre Bläserphilharmonie, nur weiter so.


Autor: Ulrich Enzel; Veröffentlicht am: 28.04.2013; Link: http://www.stimme.de/heilbronn/kultur/Eine-hoechst-vergnuegliche-Geburtstagsparty;art11930,2787438

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