Sommerlich beschwingt in den Herbst


Das Kammerensemble der Bläserphilharmonie Heilbronn im Schießhaus



Sie garantieren abwechslungsreiche Programme mit selten zu hörenden Kleinodien, auf höchstem Niveau interpretiert, die Konzerte der Heilbronner Bläserphilharmonie. Und die Kammermusik-
Formationen dieses Ensembles schenken besonders fein erarbeitete Kostbarkeiten. Und dann bleiben – man glaubt es kaum - viele Stühle leer im Heilbronner Schießhaus. Umso ausgeprägter die Begeisterung, der Beifall der kundigen Hörerschar für zumeist spätsommerlich heitere Genüsse vom Feinsten.

Mit typisch britischem Humor ironisiert und hinterfragt Gorden Jacob englische Volkslieder. "Old

Wine in New Bottles". Mal plakativ, mal schattierungsreich fein, immer peppig schlüssig. Den vom Witz sichtlich angesteckten Bläsern gelingt unter Marc Langes impulsiv direkte Akzente setzendem Dirigat eine klanglich abwechslungsreiche, geschlossene Ensemble-Leistung.

Doch zum Star des Abend wird die erst 18 Jahre alte Abiturientin Louise Engel. Die 1998 entstandene "Fantasy für Violoncello und Bläserensemble" von Frigyes Hidas lässt typisch Ungarisches ebenso vermissen wie Neue Klänge. Eher Neuer Wen in alten Flaschen, französische späte Sommer-Romantik. Das hat man doch alles schon mal gehört. Aber der Cellistin bieten solche sangvollen Elegien die Möglichkeit ihren kraftvollen Ton, ihre perfekte Technik, ihre differenzierte Interpretation, ihr aufmerksam präsentes Dialogisieren mit Dirigent und – manchmal zu übermächtigen - Ensemble beeindruckend zu demonstrieren. Erfreulich erfrischend wie viel kraftvolles Klingen sie diesem Werk entlocken.

Von der Entdeckerfreude zu den Gefahren des gar zu bekannten Ohrwurms: Antonin Dvoraks d-moll Serenade. Marc Lange wählt langsame Tempi, die differenzierte Dialoge, schwingend ausgewogenen Ensembleklang ebenso ermöglichen wie die plastische Ausformung der Soli. Und seine Musiker gehen begeistert mit, lassen spielerisch diese wunderbare Musik singen und klingen.

Jubel und Bravi selbst vom Söhnchen des Dirigenten. Bedauerlich nur, dass so viele Nichthörer so viele Flaschen alter und neuer feiner Weine verschmäht haben.


Autor: Ulrich Enzel; Veröffentlicht am: 13.10.2014

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