Sinfonischer Bläserklang in Reinkultur


Es war das zweite Konzert der Bläserphilharmonie Heilbronn seit ihrer Gründung im Jahr 2003, und es war ein voller Erfolg. Marc Lange strebt mit dem Orchester sinfonische Musik auf der Basis von Originalwerken an. Das glückte den 45 Musikern in der Waldorfschule Heilbronn spielerisch leicht.
Rossinis letzte Komposition, ein kleines Werk für Blasorchester, "La Corona d'Italia" - Fanfara per Musica Militare, war ein Dank an König Emanuele II., der Rossini zum Großritter der italienischen Krone ernannt hatte. Trotz festlicher Einleitung bahnt sich die funkelnde Tonsprache Rossinis im heiteren Charakter des Werkes ihren Weg. Kompositorischer Schwung prägte unverkennbar den Musizierverlauf.
Marc Lange wurde auf der Suche nach Originalwerken für Bläser auch bei Amilcare Ponchielli fündig. Die "Elegia-sulla Tomba di Garibaldi" ist eine von Pathos und Nationalstolz durchsetzte Trauermusik zu Ehren des italienischen Freiheitskämpfers, worin das Spiel einzelner Orchesterregistergruppen dramatische Akzente bewirkte.
Rhythmisch spannend präsentierte sich Leonard Bernsteins Ouvertüre zu "Candide". Kurze Soli wechselten mit orchestralem Vollklang, der im Mittelteil schönste gesangliche Melodik erblühen ließ.
Die fünfsätzige "Suite of Old American Dances" von Robert Russell Bennett bot alle Formen leichtfüßigen Tanzvergnügens. Selbst ein "Mauerblümchenwalzer" (Wallflower Waltz) war darunter, dem zuletzt ein turbulenter Rag folgte.
In reduzierter Besetzung war Joaquin Rodrigos spanisches Kolorit zu hören. "Adagio para orquesta de instrumentos de viente" beschwor kontrastreich diverse Stimmungen. Figurative Dialoge von Flöte, Klarinette, Oboe leiteten nach einem Forte-Paukenschlag über zum stampfenden Rhythmus des wilden Allegro-Teils. Die Rückkehr zu geruhsamen Adagioklängen vollzog sich nach vorherigem Muster.
Im "Concertino für Flöte, op.107" achtete Marc Lange penibel darauf, dass die orchestrale Klangdynamik die Solistin Eva Baur in ihrem Flötenpart nicht einengte. Die mehrfache Preisträgerin bei "Jugend musiziert" bot in jeder Spielphase souveräne Musiziersicherheit, technische Gewandtheit und ausgeprägtes Gefühl für bläserische Wirkung. Mit vier "Yiddish Dances" nach Klezmer-Art von Adam Gorb setzte die Bläserphilharmonie den effektvollen Schlusspunkt im begeistert aufgenommenen Projektkonzert. Langes anfeuerndes Dirigat hatte darin die Bläser zu Topleistungen geführt.


Autor: Traudl Stocker (HSt); Veröffentlicht am: 05.05.2004; Link: http://www.stimme.de/freizeit/kultur-news/art1935,317105.html

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