Fulminanter und filigraner Bläserklang


Voll besetzt war der Rokokosaal des Schießhauses Heilbronn beim Kammermusik-Konzert der Heilbronner Bläser Philharmonie. Orchesterchef Marc Lange ließ die drei Kompositionen des Programms in wechselnder Besetzung vortragen.
So musizierten in "Old Wine in New Bottles" von Gordon Jacob paarweise Flöten, Klarinetten, Oboen, Hörner, Fagotte und Trompeten. Den Sätzen liegen englische Volkslieder zugrunde, die in der neuen Form kammermusikalischen Bläserklangs ertönen. Wirkte nach der Einleitung "The Wraggle Taggle Gypsies" der zweite Satz "The Three Ravens" elegisch, so folgte als Kontrast die heitere Melodik des dritten Satzes "Begone, Dull Care!" Der stimmungsvolle Finalsatz "Early One Morning", eingeleitet von lyrischem Hörnerklang, dem ein schönes Flötensolo (Anke Bartsch) nachkam, nahm anfangs eine geruhsame Entwicklung, die erst im lebhafteren Werkteil figurative Ausformungen bot.
In der Hanns Eisler-Suite für Orchester Nr.2 wurden die instrumentalen Klangfarben durch den zusätzlichen Einsatz von Saxofonen, Posaunen, Tuba, Violoncello, Kontrabass, Banjo, Klavier und Schlagzeug erweitert. In den vier Sätzen verwendete Eisler Material aus seiner Filmmusik zu "Niemandsland" (1931). Das Moderato-Vorspiel, eröffnet vom kurzgliedrigen Staccatospiel der Klarinetten, dem das Banjo, Posaunen und Tuba beipflichteten, führte zum "Capriccio über jüdische Volkslieder", die in der temperamentvollen Ausformung mitreißender Klezmermusik glichen. Das mit Stopfen gedämpft gespielte Andante bot lyrisch weitflächige Musik, Synkopisches des Saxofons, leise Töne des Flügels und zuletzt das Verhallen des großen Gongs. Den letzten Satz "Marschtempo" nahm Marc Langes Bläserphilharmonie scharf akzentuiert, aber spannend.
Vertraute Klänge steckten in Kurt Weills kleiner "Dreigroschenmusik", worin Karin Eckstein das Bandoneon spielte, Robert Herzog passagenweise vom Banjo zur Gitarre wechselt, und Christiane Eitzenhöffer helle Klavierdiskant-Figurationen beisteuerte. Schon nach der von Paukenschlägen durchsetzten Ouvertüre faszinierte in der "Moritat von Mackie Messer" der weiche Saxofonklang, das klangangepasste Posaunenspiel (mit Stopfen) und der federnde Rhythmus des Schlagzeugs. Ohne Qualitätseinbuße erklangen auch der "Kanonensong" mit scharf abgegrenzten Klarinetten-Staccati und der pathetisch grandiose Tuttiklang im Finalsatz.
Die Begeisterung des Publikums äußerte sich in tosendem Applaus.


Autor: Traudl Stocker (HSt); Veröffentlicht am: 17.11.2004; Link: http://www.stimme.de/freizeit/kultur-news/art1935,436647.html

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