Ein Abend des Erstaunens und der Tiefe


Viel Beifall für das Konzert des Bläserphilharmonie Heilbronn - Mutige Programm-Gestaltung

Die Bläserphilharmonie Heilbronn spielt zeitgenössische japanische Bläsermusik - und die Aula der Waldorfschule ist bis auf den letzten Platz besetzt.
Auch das hat Heilbronn zu bieten. Das Ensemble von rund 50 Berufs- und Amateurmusikern, die den "Amateur-Status" selbstredend hinter sich gelassen haben, bilden unter der engagierten Leitung von Marc Lange einen Klangkörper, der vom ersten Augenblick an fasziniert.
Wie auch die ausgewählten Stücke - denn das Orchester, das ohne öffentliche Unterstützung, aber dafür mit großem persönlichem Engagement das musikalische Angebot in Heilbronn um eine erstaunliche Facette bereichert, setzt auf "Originale", das heißt auf für Bläserorchester geschriebene Werke. Dass dieser mutige Weg auch nachgegangen werden kann von Hörern, die sich nicht in abgehobenen musikalischen Elitezirkeln begeben wollen, bewies das Konzert des Ensembles.
Das alles fügte sich zu erstaunlichen Klangbildern, wie z.B. in "Clouds" von Tetsunosuke Kushidas (1935), ein flächiges Wolkengemälde, in dem die Soloflöte Akzente setzt.
Gemba Fujitas (1937) "Wehklagen des Erzengels Michael" mit seinen rhythmischen Akzenten und Gegensätzen aus subtilen wie effektvollen Klangfärbungen.
Und immer wieder überrascht lauscht man dabei der Vielfalt an Klangfärbungen, die ein solches Bläser-Orchester hervorbringen vermag.
Yasuhide Itos (1960) dreiteiliges Werk "Gloriosa" von 1990 ist ebenfalls das Werk einer östlich-westlichen Symbiose. Auch der zweite Satz, dem ein Lied japanischer Christen aus dem 17. Jahrhundert zugrunde liegt, hinterlässt einen starken Eindruck.
Hier entwickelt sich passageweise eine "Sphärenmusik", in der man bis hin zur Glasharfe alles heraushören kann. Der dritte Satz, auf einem japanischen Volkslied basierend, endet in einem so triumphalen Choral - da möchte man fast "lästern": Was ist da schon die "Carmina burana" dagegen?
Auch nach der Pause Spannung pur: die Komposition "Tears" von David Maslanka (1943) stellt sich nichts weniger in den Mittelpunkt als wiederum die Frage nach dem Warum.
Und danach kommt als Paradestück "Rhapsody in Blue" von Gershwin, mit dem gerade mal 20-jährigen Johannes Mittl am Flügel, sichtlich aufgeregt und befangen, und doch schon sicher in seinen Stilmitteln.
Das nächste Konzert der Bläserphilharmonie Heilbronn ist für den Herbst angesetzt. Darauf kann man sich jetzt schon freuen.


Autor: Brigitte Kador (RNZ); Veröffentlicht am: 29.03.2005; Link: http://www.rnz.de/

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