Bizarre Wechsel


Die Bläserphilharmonie Heilbronn ruft zum Konzert ins Schießhaus, und die Massen strömen. Ist doch dem Liebhaber sinfonischer Bläsermusik bei dem jungen Ensemble Hörgenuss auf hohem Niveau sicher. Mozarts Serenade Nr. 10 für zwölf Bläser und Kontrabass B-Dur steht auf dem Spielplan: unter den Serenaden des Salzburgers die größte hinsichtlich zeitlicher Dimension und instrumentaler Besetzung, die deshalb auch den Beinamen Gran Partita trägt.

Das 50-minütige Werk, besetzt mit Klarinetten, Oboen, Hörnern, Fagotten und Kontrabass, gelingt mit Bravour. Nicht nur entwickelt sich unter Marc Langes Leitung ein Klanggebäude aus dynamischen Abstufungen und transparenten Klangflächen mit virtuosen Solopartien. Jeder einzelne der sieben Sätze behält seinen eigenen Charakter: vom romantischen Largo, mit schwerer Fülle zuweilen an Bruckner erinnernd, über liebliche Trios mit Vogelstimmen, schwingende Menuette und eine Romance bis zum vor Vielfalt berstenden Tema con variazioni .

Der Clou des Abends: Friedrich Guldas Klassik-, Rock-, Jazz- und Blasmusik vereinendes Konzert für Violoncello und Blasorchester mit Tutti, Gitarre und Stefan Gräsle am Solo-Cello. Mit zupackender Spielfreude veranstalten die jungen Musiker in der Ouverture einen bizarren Wechselgesang zwischen Rock-Pop und poetischer Anmut, bieten in der Idylle augenzwinkernde Fröhlichkeit, im Menuett orientalische Klänge und Cello-Gesang wie von einem Sitar und lassen das Finale mit deftiger alpenländischer Blasmusik und sich hier exotisch ausmachendem Cello über die Zuhörer hereinbrechen.

Mittel- und Höhepunkt des Konzerts ist die Cadenza, in der Gräsle in Improvisation mit schwebenden Klangbändern und Pizzicati sinnende und zornige Monologe führt. Das Publikum im Rokokosaal bedankt sich mit tosendem Beifall.


Autor: Monika Köhler (HSt); Veröffentlicht am: 14.11.2005; Link: http://www.stimme.de/freizeit/kultur-news/art1935,656795.html

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