Ein Füllhorn voller Rhythmen


In der Wildeckhalle in Abstatt erlebten 150 Zuhörer ein rauschendes Konzert mit der Bläserphilharmonie Heilbronn. Das Heimspiel in der Heilbronner Harmonie, in der das regionale Projektensemble unter Leitung von Marc Lange zum ersten Mal seit seiner Gründung im Jahr 2003 gastiert, wollen sich gar 700 Liebhaber anspruchsvoller sinfonischer Bläsermusik nicht entgehen lassen.

Mendelssohn-Bartholdys Ouvertüre op. 24, die auf ein Nocturno des 15-jährigen Felix zurückgeht, erfreut mit einer naturverbundenen Erhabenheit der Hörner, die an Webers "Freischütz" denken lässt. Atmenden, transparent gespielten Passagen folgt ein jäher Ausbruch in lebhaften Festplatzcharakter, dem die Klarinetten filigrane Phrasierungen entgegensetzen.

Ein Füllhorn voll unterschiedlicher Rhythmen und Harmonien ist die sechssätzige "Lincolnshire Posy" von Percy Aldridge Grainger, basierend auf alten Volksweisen: Für federnde Trompeten, majestätisch schreitendes Blech, eine irische Färbung in Flöten und Klarinetten und Solostimmen, die aus dem Tutti filigran emporsteigen, gibt es Bravos aus den Reihen des Publikums.

Schillernde Klangfarben entfaltet das unter dem sprechenden Dirigat Langes mit Hingabe und spürbarer Spielfreude agierende Orchester bei Michael Daughertys Red Cape Tango. Elemente aus Jazz, Rock und Funk, Kastagnetten, Schlagwerk und exakt eingehaltene Pausen entwickeln in dieser Musikarbeit zur Superman-Mythologie eine unwiderstehliche Sogwirkung.

Dass die Musiker nicht nur im Ensemble meisterhaft harmonieren, sondern auch Virtuosen aus den eigenen Reihen rekrutieren, ist bei den beiden Solostücken zu erleben: Behände trägt Thomas Acker (21) in Frigyes Hidas' Concerto für Fagott und Blasorchester das bedächtige Instrument durch die drei Sätze, lässt es in erzählenden Dialog mit dem reduzierten Orchester treten. Gutmütig lässt er es brummen, in wiegenden Melodien musicalhaft zum Saxofon werden und heiter einher reiten.

Star des Abends ist Simon Bäuerle: In Ney Rosauros rhythmisch betontem und von Tony McCutchen für Marimba und Blasorchester arrangiertem Concerto führt der 19-Jährige mit Hingabe und virtuosem Einsatz diverser Schlägel in eine Zauber-Klangwelt, die zu peitschendem Holz und Blech in apartem Kontrast steht.

Pentatonisches Klanggefüge im Lamento-Satz erzählt Fernöstliches, dynamische Schattierungen und synkopische Herausforderungen verlangen höchste Konzentration von Orchester und Solist, der für seine meisterhafte Darbietung Begeisterungsstürme und stehende Ovationen erntet.


Autor: Monika Köhler (HSt); Veröffentlicht am: 16.05.2006; Link: http://www.stimme.de/freizeit/kultur-news/art11930,781354.html

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