Ehrgeizige Bläser finden musikalische Heimat


Neu gegründetes Sinfonie-Orchester für Holz- und Blechbläser füllt in Heilbronn eine Lücke

Im eigenen Musikverein unterfordert, vom Wunsch beseelt, in einem großen, sinfonischen Blasorchester mitzuspielen und auf der Suche nach Gleichgesinnten Blech- und Holzbläsern – so wie dem Fagottisten Peter Hauff ging es bis vor kurzem vielen Musikern im Raum Heilbronn. Das Potenzial war da, Interesse auch. Nur ein Kristallisationspunkt hat bisher gefehlt.
Seit Anfang Mai ist der Mangel behoben. Mit der Neugründung der Bläserphilharmonie Heilbronn haben ambitionierte und technisch anspruchsvolle Amateur-Bläser nun endlich eine angemessene musikalische Heimat gefunden.
Diese Entwicklung ist eng mit dem Dirigenten Marc Lange ver¬bunden. Er ist seit einem halben Jahr bei der Musikschule beschäftigt. Dort kümmert er sich hauptsächlich um die verschiedenen Blasorchester – und rekrutierte als eine seiner ersten Amtshandlungen gleich einige junge Musikschüler für das neue Ensemble.
Hinzu kann das zehnköpfige "Concertino Ensemble", das die Basis der jetzigen Bläserphilharmonie bildet. Viel Mund-zu-Mund-Propaganda taten ein übriges, so dass fast 50 ehrgeizige Holz- und Blechbläser im Mai in der Städtischen Musikschule Heilbronn zu einer ersten Probe zusammenkamen. "Es ist fast schon ein Wunder, dass so ein Orchester praktisch aus dem Stand entsteht", sagt Peter Hauff.
Der jüngste Heilbronner Bläser-Philharmoniker ist der 14 Jahre alte Hornist Felix Baur, der zuletzt im Landesentscheid "Jugend musiziert" sogar als bester Solist ausgezeichnet wurde. Daneben gehören zum Beispiel ein zugereister Augenarzt, eine Englisch-Lehrerin, ein heimischer Filial-Bäcker und ein Bosch-Ingenieur zur Besetzung. "So manches Mitglied aus traditionellen Musikvereinen fand vor allem deshalb den Weg ins Orchester, um das eigene Spektrum zu erweitern", meint Peter Hauff.
Das Ensemble, das sich als Ergänzung zum klassischen Sinfonieorchester versteht, wird von der Städtischen Musikschule unterstützt. Sie stellt sowohl den Raum für die Proben als auch mit Lange den Dirigenten. Völlig uneigennützig ist das Engagement der Musikschule freilich nicht, soll doch die Bläserphilharmonie als Auffangbecken für den eigenen ambitionierten Nachwuchs dienen.
Orchesterleiter Marc Lange jedenfalls ist von seinem neuen Ensemble angetan. "Es macht Spaß, mit so einem professionellen Klangkörper neue Wege zu beschreiten", sagt der gebürtige Heilbronner, der in Basel Blasorchesterdirigat studiert hat.
Die Konzert-Premiere findet nun am Sonntag, 19. Oktober, um 19 Uhr in der Musikschule statt. Gespielt werden überwiegend sinfonische Werke, die original für Blasorchester komponiert wurden – von Romantik bis zur amerikanisch geprägten Blasmusik. "Ich hoffe, dass die sinfonische Blasmusik durch unser Konzert und die weitere Arbeit zu einer Institution wird", sagt Lange. An mangelndem Engagement der Bläser wird das Vorhaben sicher nicht scheitern. Schließlich haben sie ihr musikalisches Eldorado eben erst gefunden.


Autor: Andreas Eberle (HSt); Veröffentlicht am: 01.05.2003; Link: http://www.stimme.de

Impressum