Bläserphilharmonie schlendert durch die Spätromantik


Heilbronn - Die 150 Zuhörer überschütten die Bläserphilharmonie Heilbronn im Schießhaus mit Applaus. Soviel Begeisterung tut den Musikern gut, bestätigt sie doch die reife Leistung, die dieser Abend mit Werken von Richard Strauss und Antonín Dvorák bot.

"Es gibt Konzerte, die sind zu Ende, wenn der letzte Ton verklungen ist" ringt ein strahlender Marc Lange um die richtigen Worte. Von den rhythmischen Akklamationen gleichermaßen beglückt wie unter Druck gesetzt, erklärt der Dirigent: "Es gibt keine Zugabe. Wir müssten sonst die ganze Dvorák-Serenade noch einmal spielen - was wir ja auch tun: am Donnerstag in der Nikolaikirche."

Den Auftakt des Programms bildet die "Serenade in Es-Dur op.7" des damals 16-jährigen Strauss. Die Blasmusik in der Besetzung zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Fagotte und vier Hörner erinnert an einen Waldspaziergang - unterlegt vom lang gestrichenen tiefen Es des Kontrabasses, so weich, als ginge man barfuß über Moos. Derart erfrischt kommen die fünf Tänze aus Dvoráks "Tschechischer Suite op. 39" gerade recht. Ursprünglich für Streicher geschrieben, überträgt die Bläserfassung die Klangfarben der böhmisch-mährischen Volksweisen.

Das Präludium ist ein Schlendern durch ländliche Idylle, die Polka forsch und fordernd, von melancholischen Zwischentönen durchzogen, die Sousedská, ein ausgedehntes Menuett, bei dem die Spannung etwas verlorengeht, die Romanze vom hellen Klang der Querflöte getragen. Schließlich braut sich ein furioses Ende zusammen, das ungestüm und rasant in ein gewaltiges Unisono mündet. Noch eine Nuance dramatischer ist das Schlussstück, Dvoráks "Serenade in d-Moll op. 44". Aggressive Rhythmik und zarte Lyrik prallen aufeinander. Ein kompositorisches Glanzstück, das von sicherer Dirigentenhand in ein grandioses Finale geführt wird.


Autor: Leonore Welzin (HSt); Veröffentlicht am: 20.11.2008; Link: http://stimme.de/heilbronn/kultur/sonstige;art11930,1399429

Impressum