Frischer Wind weht durch den Orchesterwald


LEHRER sind unter ihnen. Ebenso Ärzte und Ingenieure. Aber auch Studenten. Dabei musizieren alle Mitglieder der Bläserphilharmonie Heilbronn (BPH) auf höchstem Niveau. "Auch als Amateur-Orchester kann man anspruchsvolle sinfonische Arbeit leisten", sagt Fagottist Peter Hauff (39), der hauptberuflich in der Pressestelle der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken arbeitet.

VOLLPROFI in Sachen Musik ist lediglich der Mann an der BPH-Spitze: Marc Lange (30), ein "waschechter" Heilbronner. Der studierte Musiker (Pädagogische Hochschule Heidelberg) ist Orchesterleiter der Städtischen Musikschule Heilbronn und gerade dabei, den weiterführenden Studiengang "Blasorchesterdirigat" bei Felix Hauswirth im schweizerischen Basel abzuschließen. Lange war es auch, der die BPH im Jahr 2003 gründete. Seine Beweggründe: "In der Region gab es viele gute Blasmusiker, die Lust hatten, auf einem hohen Niveau zu spielen." So wie Peter Hauff, den das Spielen im Musikverein allein schlichtweg "nicht mehr voll herausgefordert" hat.

DER HARTE KERN der BPH besteht aus rund 50 Personen. Zurückgreifen kann Marc Lange aber auf insgesamt 200 Musiker, die aus der gesamten Region kommen und etwa 15 verschiedene Blasinstrumente beherrschen. Ihr Durchschnittsalter: 25 bis 30 Jahre. Auch wenn pro Konzert immer nur 50 von ihnen auf der Bühne stünden, sei es wichtig, aus dem Vollen schöpfen zu können - "weil eben doch nicht jeder Zeit hat, wenn wir auftreten".

IN DEN ANFÄNGEN probte die BPH noch im Zwei-Wochen-Takt. Das hat sich nach den ersten zwei Konzerten geändert. Marc Lange: "Wir haben gemerkt, dass eine konzentrierte Projektarbeit noch fruchtbarer sein kann." Seitdem schickt der Orchester-Chef zunächst eine Ausschreibung an alle 200 Musiker. In dieser stellt er Projekte vor, listet Proben- und Konzerttermine auf. Daraufhin kann sich jeder Musiker bewerben. "Wer sich zuerst meldet, ist mit dabei."

NÄCHSTE ZIELE von Marc Lange und seinen Blasmusikern: "Zuerst wollen wir die BPH auf gesicherte Beine stellen, indem wir einen Förderverein gründen und versuchen, Sponsoren an uns binden." Außerdem wolle er fürs Orchester versuchen, über die Grenzen der Region hinaus zu denken. "Inder Zukunft sollen auch Konzertreisen oder Auftritte bei Festivals möglich werden." Und eine CD-Produktion sei ebenfalls angepeilt.

Das nächste BPH-Kammermusik-Projekt findet im Herbst statt - mit zwei Konzerten am 11. und 12. Novem¬ber im Heilbronner Schießhaus. Kontakt: Marc Lange, Telefon 07131/2049888.


Autor: Olaf Kubasik (Echo am Sonntag); Veröffentlicht am: 19.06.2005

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